Braugeschichte

Historische Coburger Biergeschichte

Die Bürger, deren Häuser das Braurecht haben, dürfen Bier brauen und verzapfen, so stand es in den Ratsstatuten der Stadt Coburg im Jahre 1783.

Gedenktafel und Steinwappen

Foto links: Auf einer alten Steintafel in der Steingasse gedenkt man der ehemals größten Kommunbrauerei in Coburg.

Foto rechts: Handwerkswappen eines Fassmachers um 1745 in der Metzgergasse in Coburg.

Einst gab es in Coburg städtische Brauhäuser. In diesen Kommunbrauhäusern braute fast jeder Coburger Haushalt sein eigenes Bier, so das man in den Wintermonaten immer mit frischem Bier versorgt war.

Wenn ein Bürger sein Eigenbräu verkaufen wollte, so wurde das an einer Holzstange befindliche Bierzeichen nach der Straße zu herausgesteckt, wollte man den Verkauf aussetzen, schlug man die Stange an das Haus zurück.

Wer keinen Brauerstern am Haus hatte, stellte lediglich ein altes Holzfass oder einen Stuhl vor die Eingangstüre. Die meisten Häuser in Coburg mit Braurecht standen in der oberen Ketschengasse.

Auch Anton Sturm verzapfte sein Bier in der damals berühmten Bierschenke in der oberen Ketschengasse (jetzt Boutique FRIND) und auf dem Bierkeller bei der heutigen Marienstraße.

Städtische Brauhäuser

Das ehemalige Brauhaus in der Steingasse, wo auch Anton Sturm braute, stammt aus dem Jahre 1666. Hier befindet sich heute das Coburger Stadtarchiv.

Ein weiteres städtisches Brauhaus stand im Heiligkreuz und vermutlich gab es auch eine weitere Braustätte um 1508 im Bürglaß.

Von 1803 bis 1957 wurde gegen ein Kesselgeld im Städtischen Kommunbrauhaus im Steinweg (jetzt ASCO Sprachenschule) Bier für mehr als 20 Gaststätten gebraut.

Auch in der Metzgergasse befand sich um 1860 vorübergehend ein städtisches Brauhaus.

Zudem gab es weitere Brauhäuser wie im damaligen Franziskanerkloster der heutigen Ehrenburg und zwischen der Oberen Anlage und dem Coburger Friedhof.

Es gab in den Brauhäusern einen Braumeister, den Ober- und Unterknecht und einen Feuerschürer, die immer mit den gleichen Rezepten recht gutes bekömmliches Bier brauten.

Ein ganz besonderes Bier wurde um 1849 in Coburg gebraut. Es war eine Art Starkbier mit einem damalig recht hohen Preis. Die Coburger nannten das Bier auch „Luxusbier“! 

Bierbrauereien

Bis in das Jahr 1854 zählte man im ehemaligen Herzogtum Coburg 89 Bierbrauereien!

Wappen der Brauerei Anton Sturm

Blick auf das Wappen der Brauerei Anton Sturm über der ehemaligen Bierhalle in der Judengasse Nr. 5 in Coburg.

Viele Brauereinamen sind leider schon in Vergessenheit geraten. Es gab u.a. die Kaufmanns-, Eplers-, Spühlers-, Dreieinigkeits- und Ölbergbrauerei.

Die Mohren-, Bonengels-, Vereins-, und Grassers Brauerei sind dem einen oder anderen von uns vermutlich noch bekannt.

In der damaligen Zeit wurden die Holzfässer noch in der Herzogstadt gepicht. Allerdings war Pichen aufgrund der Lautstärke in der Innenstadt verboten und wurde daher auf abgelegene Orte verlegt.

Die Kinder waren allerdings begeistert wenn die großen Biertonnen aufflammten und durch den eingezogenen Deckel erstickt wurden und es überall qualmte.

Biergärten

Ausflüge auf die Bierkeller in Coburg und Umgebung waren sehr beliebt. Der erste Biergarten in der Stadt wurde im Jahre 1774 auf dem Adamiberg eröffnet.

Einige Zeit später erfolgten weitere Eröffnungen von Biergärten wie an der oberen Klinge und am Festungsberg. Es folgten der Sturmsgarten, die Flinzbergsspitzen oder die Kapelle mit der wohl schönsten Aussicht auf die Stadt. Auf der Kapelle hatten 1860 die Einheimischen nur gegen Eintritt Zutritt, Fremde dagegen mussten kein Eintrittsgeld bezahlen.

Viele dieser Biergärten hatten Sandkegelbahnen, wo es oft lärmend und wegen des reichlichen Alkoholkonsums recht lustig zuging.

Um 1803 wurde das Coburger Bier auch in einem sogenannten „Schlotterkrug“ ausgeschenkt. Dieser Krug musste 1 ½ Mass schaffen!

In der Stadt selbst wurde zu dieser Zeit noch aus Zinkkannen und aus mehr oder weniger wertvollen Steinkrügen Bier getrunken.

Gasthäuser

Die damaligen Gasthäuser in der Innenstadt um 1800 nannten sich „Goldene Traube“, „Goldener Löwe“, „Goldener Adler“, „Goldener Ochse“, „Grüner Baum“, „Rotes Ross“ oder auch „Weißes Ross“.

Bier und Bäcker in Coburg

Der Bierausschank war ausserhalb der Gasthöfe zumeist mit dem Bäckergewerbe verbunden.

Die Bäckerei Frommann in der Spitalgasse und in der Loreley, Fischer im Steinweg und im Heiligkreuz, Fenzlein, Flinzberg, Griebel, Oehrl, Huelz und einige andere waren im Hauptberuf Bäcker und betrieben die Bierwirtschaft nebenbei.

1558 wird ein besonderer „Pfisterwirt“ (Pfister d.h. Bäcker) erwähnt, sein Wirtshaus nannte sich „zur Brezel"! Es gab auch ein Wirtshaus mit dem Namen „Hörnles-Beck“. 

Diese Bäcker brauten natürlich ihr Bier selbst oder richtiger, sie ließen es im städtischen Brauhaus auf eigene Kosten unter eigener Lieferung von Malz und Hopfen brauen.

Quelle: Coburger Heimatblätter/Februar 1926/Heft Nr. 7 (Auszüge) vom Coburger Heimatverein - Vom Coburger Bier. Von den alten Coburger Schenken und Gaststätten - von Heinrich Langbein

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