Biererlebnis

"Himmel, was für ein Rauchbier!"

Brauerei Spezial in Bamberg

© Wolfgang Korn

Mit seiner Brauereiwanderung durch Bamberg geleitet Bierführer Wolfgang Korn seine Gäste durch das Eldorado des fränkischen Biers, die Bischofsstadt Bamberg. Bamberg hatte in seiner Blütezeit im 19. Jahrhundert 65 Braustätten und 22 Bierkeller. Zum heutigen Zeitpunkt werden noch an zehn Braustätten über 60 verschiedene Biersorten gebraut.

Bierfässer der Brauerei Spezial

© Wolfgang Korn

Nach dem Start der Tour am Rödentaler Bahnhof, mit Zusteigemöglichkeiten auf der Strecke nach Bamberg, ist die Brauerei Spezial, in der auch das Mittagessen eingenommen wird, die erste Anlaufstelle der Bamberger Bierwanderung. Bereits seit über 475 Jahren wird hier am ehemaligen Steinweg, einer alten, überregional bedeutenden Handelsstraße, Bier gebraut. Eine der letzten von zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Straße noch nachweisbaren 22 Brauereien ist die Brauerei Spezial. Das Anwesen der Brauerei Spezial in der Oberen Königstraße 10 gilt als idealtypisches Beispiel für einen Braubetrieb des 16. Jahrhunderts. Seit 1898 ist die Brauerei Spezial im Besitz der Familie Merz. Der Braumeister Christian Merz führt das Unternehmen also bereits in der 4. Generation. Für die Brauerfamilie ist die Bierherstellung eine Leidenschaft. Man beweist dort auch Mut zum Experimentieren. Sie bietet seit 2020 die limitierte Edition eines in einem Whisky-Fass gereiften Bockbieres an. (Quelle: Homepage Brauerei Spezial)

Von der Brauerei Spezial geht es weiter zur Brauerei Fässla, einer weiteren Bamberger Traditionsbrauerei. Bis ins Jahr 1649 reicht die Geschichte der Brauerei Fässla zurück: Der 30-jährige Krieg war gerade ein Jahr vorbei, da richtete der Brauer und Büttner Hans Lauer in dem Eckhaus am Gang zum Heiligen Grab eine Brauerei ein. Einer Urkunde des Notars Büttner zufolge erwarb am 20. Januar 1898 der Bierbrauer-meister Paul Lutz die Brauerei Fässla. Seit dem 1. Oktober 1986 setzt die Brauer- und Malzmeisterfamilie Kalb die Fässla-Tradition fort - unermüdlich im Dienste der Gäste. Wie der kleine Zwerg, der seit eh und je im Hauswappen ein Bierfass rollt. (Quelle: Homepage Brauerei Fässla)

Um zur nächsten guten Adresse Bambergs in Sachen Bier zu kommen, besteigt die Gruppe am Busbahnhof einen Bus in Richtung Laurenziplatz. Stopp ist dann an der Brauerei Greifenklau. Seit August 2007 steht dort die vierte Generation der Brauerfamilie am Braukessel. Wie seine Vorfahren heißt der vierte Braumeister in Folge (in der Familiengeschichte der VI.) Sigmund Brockard.1585 erstmals erwähnt, beginnt die eigentliche Braugeschichte mit dem Domherrn Franz Friedrich von Greifenklau, der Anfang des 18. Jahrhunderts Wirts- und Brauhaus samt Stadel uns Stallungen errichtete. Nach wechselnden Besitzern ersteigerte der aus Gleusdorf stammende Braumeister Sigmund Brockard, der Großvater und Urgroßvater der jetzigen Braumeister Sigmund Brockard den Greifenklau. In welch desolatem Zustand die gesamte Einrichtung gewesen sein muss, wird daran ersichtlich, dass der neue Besitzer bis zum Jahr 1919 sein Bier in der Brauerei Riegelhof brauen ließ. Erst danach ist das Brauhaus wieder betriebsbereit, um beispielsweise im November das helle Bockbier mit einem Stammwürzegehalt von 16,4 Prozent zum Ausschank zu bringen. Traditionell führt Sohn Sigmund Brockard mit Vater Sigmund Brockard seit seiner Braumeisterprüfung 2006 die Brauerei fort. Noch heute erstreckt sich unter dem Biergarten auf drei Etagen ein weitläufiger Felsenkeller. (Quelle: Homepage Brauerei Greifenklau)

Mit der Klosterbräu als nächstem Ziel steuert die Bamberger Bierführung die älteste Braustätte der Stadt an Regnitz und Main an. Touristen finden sie bewusst oder zufällig, Einheimische lieben sie, die stillen Ecken im Herzen der Altstadt. Zwischen Böttingerhaus und Wasserschloss Concordia hat die Brauerei Klosterbräu seit Jahrhunderten ihren Platz und gehört zum Mühlenviertel ebenso wie die Mühlenbrücken selbst. Die Balance zwischen dem Festhalten an Tradition und dem Einsatz neuer Technologien ermöglichte das Bestehen der ältesten Bamberger Braustätte seit dem 14. Jahrhundert bis heute. Hier kann man den Altstadtcharme in malerischer Umgebung ohne Trubel in Ruhe genießen. (Quelle: Homepage Klosterbräu)

Ein kurzes Stück Weges ist es dann zur wahrscheinlich bekanntesten Brauerei Bambergs, dem Schlenkerla, Entstehungsort des berühmten, dunklen Rauchbieres. Häufig erzählt man sich die Geschichte, dass im Mittelalter eine Bamberger Brauerei abbrannte und das Malz so versehentlich geräuchert wurde. Wider Erwarten habe den Bambergern das Gebräu daraus geschmeckt und sei fortan immer so gebraut worden. Dies ist allerdings eine Legende. Denn Rauchmalz und damit Rauchbier gibt es schon seit mindestens 5.000 Jahren, und in unseren Breitengraden hatte wahrscheinlich sogar jedes Bier früher ein rauchiges Aroma. Man genießt also mit jedem Schluck Aecht Schlenkerla Rauchbier ein Stück Vergangenheit! (Quelle: Homepage Schlenkerla)

Der Weg durch die Bamberger Brauereivielfalt kostet natürlich trotz der jeweiligen Stärkungen ganz schön Kraft. Und so schließt ein Besuch des Gasthauses Sternla die Bierwanderung mit einem Abendessen ab. Seit 2019 wird auch im Sternla gebraut. Die Verkostung der dortigen Biersorten schließt die Bierwanderung ab. Dann muss nur noch der Zug zur Heimfahrt erreicht werden, um (bier-)selig nach Hause zu kommen.

Von Christian Göller

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